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MEDIA BIZ September #243

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gespräch menschen

gespräch menschen zurück zum Inhalt Fabian Eder, aac ist Autor, Filmemacher, Obmann des Dachverbands der Österreichischen Filmschaffenden und Vorstandsvorsitzender der VdFS Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden. www.vdfs.at www.filmschaffende.at Ein dringlicher Appell Ein dauerhaftes Monitoring der Arbeitsbedingungen in der Film- und Fernsehbranche und damit strukturelle Verbesserungen herbeizuführen, ist das Ziel der Initiative #we_do! Fabian Eder erklärt im Gespräch mit Sylvia Bergmayer, warum es für die gesamte Branche wichtig ist, dieses Angebot, das Hilfe im Einzelfall bietet, in Anspruch zu nehmen. Die Anlauf- und Beratungsstelle für Diskriminierung und Ungleichbehandlung, sexuelle Übergriffe, Machtmissbrauch oder Verletzungen im Arbeitsrecht in der österreichischen Filmbranche #we_do! wurde im Rahmen der Diagonale´19 vom Dachverband der Filmschaffenden vorgestellt. Dieses Angebot kann und soll von allen, die in der österreichischen Film- und Fernsehbranche tätig sind, in Anspruch genommen werden. „Auch von Produzentinnen, Produzenten und Regisseurinnen und Regisseuren, die wie alle Foto: Daniela Matejschek Filmschaffenden mit irgend einer Form von Machtmissbrauch konfrontiert sein können“, betont Fabian Eder. Warum wurde diese Initiative jetzt ins Leben gerufen? Wie können damit strukturelle Verbesserungen erwirkt werden? Fabian Eder: Wir haben über die Jahre hinweg in der VdFS und im Dachverband festgestellt, dass Filmschaffende uns immer wieder von Situationen, in denen sie sich ungerecht behandelt fühlen, von Machtmissbrauch, berichten, aber nicht wollen, dass das an die Öffentlichkeit dringt, weil sie Angst haben, keinen Job mehr zu bekommen. Als dann die #MeToo-Bewegung in Gang gekommen ist, haben wir das natürlich beobachtet, in einer unserer Sitzungen zum Thema gemacht und befunden, dass eine Anlaufstelle wichtig sei, die sich in erster Linie auch um sexuellen Missbrauch, aber auch ganz generell um Machtmissbrauch kümmert und die von Branchenfremden Personen besetzt ist. Wir wussten zwar, es gibt die Gleichbehandlungsstelle und die Gleichbehandlungs- Anwaltschaft. Nur – und dieser Gedanke hat uns zum Kern der Initiative geführt – auch wenn die Anonymität dabei im Vordergrund steht, heißt das nicht, dass wir nicht auf Daten zugreifen können, mit denen wir strukturell etwas verändern können. Und genau das ist der Punkt. Wir bekommen von der Anlaufstelle ein Mal im Jahr einen Bericht, der absolut anonym ist, in dem kein einziger Einzelfall beschrieben wird, aber mit dem wir Problemfelder mitgeteilt bekommen. Beispielsweise sexuelle Übergriffe kommen besonders unter diesen oder jenen Voraussetzungen vor, oder Settings, bei denen Ruhestundenverletzungen stattfinden. Und dann können wir das aus Branchensicht betrachten und Lösungsmöglichkeiten finden oder einen möglichen Kommunikationsbedarf erkennen. Es ist sehr vielschichtig. Ich war beispielsweise auch schon damit konfrontiert, dass etwas, was jemand als Unrecht wahrgenommen hat, nach den Buchstaben des Gesetzes keines ist. Manchmal ist es ein Kommunikationsproblem, es kann sich aber auch herausstellen, dass es Bedarf gibt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Und genau darum geht es uns. MEDIA BIZ

zurück zum Inhalt Es geht also sowohl um konkrete Unterstützung in Einzelfällen als auch um strukturelle Veränderungen. Ja, um ein Monitoring der Branche an sich. Auf der Einzelfallebene ist es so, dass - egal um welche Form von Übergriff es sich handelt – man in unserer Anlaufstelle auf sehr kompetente Coaches trifft. Zur Auswahl stehen ein weiblicher und ein männlicher Coach, die im Bedarfsfall und auf Wunsch weiterhelfen, die Betroffenen an die richtigen Stellen weiterleiten und sich darum kümmern, dass diese die richtige Betreuung bekommen. Man kann aber auch das, was als Machtmissbrauch wahrgenommen wird, einfach nur melden. Das ist sowohl telefonisch als auch per Mail möglich, aber natürlich auch im persönlichen Vier-Augen-Gespräch. Und die Inanspruchnahme dieses Angebotes ist in jedem Fall kostenfrei? Ja. Finanziert wird es von der VdFS und der VAM, und zwar zu gleichen Teilen. Das ist vorerst für ein Jahr vorgesehen, dann wird überprüft, ob eine Fortführung notwendig ist. Lässt sich schon erahnen, wie sehr dieser Service in Anspruch genommen wird? Nein, es ist nicht nur zu 100 Prozent anonym, wir wissen auch gar nicht, von wie vielen es derzeit genutzt wird. Es ist uns ein Anliegen, dass so viele wie möglich davon erfahren. Es gibt mittlerweile Aufnahmeleiter, die das fix in ihre Dispo aufnehmen, was natürlich großartig ist. Es ist wichtig, dass wir so viele wie möglich damit erreichen, informieren, dass es diese Anlaufstelle gibt und dass es wirklich Sinn macht, sich jemandem mitzuteilen, von dem man weiß, dass das Problem wahrgenommen wird. Es wird nicht nur ein Mal angehört und bleibt dann für ewige Zeiten unter Verschluss, sondern es wird wahrgenommen und übersetzt, so dass wir dann reagieren können. Wer klärt rechtliche Fragen? Wir haben Kooperationen mit Rechtsanwälten aus unserem Umfeld, breit aufgestellt, von Arbeitsrecht bis zu allen relevanten Bereichen, die, wenn etwas juristisch abgeklärt werden muss, im Bedarfsfall konsultiert werden. Wer ist im Rahmen der Initiative aktiv tätig? Eine kleine Gruppe hat das aufgesetzt, allen voran Maria Anna Kollmann gemeinsam mit Ingrid Leibezeder, Viktoria Salcher, der Geschäftsführerin der Prisma Film, von Produzentenseite. Aber auch Eva Flicker, die ja als Projektleiterin beim Gender- Report fungierte, hat uns sehr geholfen. Wir haben zwei Coaches, Meike Lauggas und Norbert Pauser. Wir betreiben sogenannte Steuerungsgruppen, die aus Vertretern der Verbände gebildet sind. Da findet auch ein reger Austausch darüber statt, was in Richtung Aufklärung und Prävention und anderen Feldern im Vorfeld geleistet werden kann. Es geht darum, über die reine Klagemauer hinaus in die Verbände hinein zu agieren. Aber operativ sind in erster Linie Maria Anna Kollmann und ich involviert. Dann gibt es natürlich die anderen Betreiber, den Drehbuchverband oder FC Gloria, die natürlich auch maßgeblich mitwirken. Die Initiative wendet sich sowohl an weibliche als auch männliche Filmschaffende? Ja, sie wendet sich an beide, deshalb war es auch wichtig, einen weiblichen und einen männlichen Coach zur Auswahl zu haben. Was mir auch ganz besonders wichtig ist, weil das oft verdrängt wird, es betrifft die gesamte Hierarchie der Filmberufe und damit meine ich auch die Regisseure und die Produzenten. Weil auch die Produzenten in Situationen kommen können, wo eine gewisse Steilheit in der Hierarchie ausgenutzt werden kann. Von Seiten der Auftraggeber. Hier gibt es auch Fälle, die man wohl auch diskutieren kann. Ich kann sie nur ermuntern, diese bei unserer Anlaufstelle auch zu melden. Und auf der anderen Seite die Berufsgruppen, bei denen es ein gewisses Gefährdungspotenzial gibt, weil sie aus den untersten Lenses Rehousing Lens Service MEDIA BIZ

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