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MEDIA BIZ September #243

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gespräch menschen

gespräch menschen zurück zum Inhalt Martin Rummel geboren 1974 in Oberösterreich, genoss seine Ausbildung als Cellist unter anderem bei Wilfried Tachezi, Maria Kliegel und William Pleeth. Neben seiner beachtlichen Aufnahme-Karriere erlangte er einen internationalen Ruf als Pädagoge. 2009 wurde Martin Rummel als Professor für Cello an die Universität Auckland berufen. Im selben Jahr gründete er gemeinsam mit dem Kulturpromotor Wolfgang Lamprecht paladino music. Die Plattform für vielfältige und mutige Kammermusik auf hohem Niveau ist der Ursprung der paladino media gmbh, die Rummel seit 2011 alleine führt. www.martinrummel.com durchschritten. Menschen sind ja Horter und Sammler. Labels, die ein schönes haptisches Produkt machen, haben mehr Chancen als jene, die nur auf Kostenminimierung aus sind. Da haben wir mit KAIROS einen großen Vorteil, das waren immer schon schöne Produkte. Und mit großformatigen Booklets, Mattlack, schöner Kunst vorne drauf, fundierten Texten von Musikwissenschaftlern, ordentlich lektoriert, mit Partitur-Ausschnitten und allem, was dazu gehört, gestalten wir unsere Produkte immer noch so, dass sie mehr sind als nur die Spotify-Version. Was KAIROS betrifft, haben wir ja auch eine Verantwortung: Wir dokumentieren eine Musikgeneration. Diese Bedeutung war mir nicht sofort, aber nach wenigen Monaten sehr bewusst. Und alles muss gut klingen. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass es so natürlich wie möglich klingt. Nicht hochgezüchtet. Mich stört dabei nicht, wenn einmal irgendetwas knackst oder man ein Atmen hört, das gehört dazu. Aber die Musik muss ordentlich abgebildet sein. Dazu braucht es die richtigen Partner, den Tonmeister, dem man vertrauen kann. Da haben wir in Wien schon Glück, hier gibt es mittlerweile viele gute Leute. Aber Leute, die sowohl musikalisch als auch musiktechnisch gut sind, die wirklich alle falschen Töne hören und einen schönen Klang machen können, sind doch eher selten zu finden. Als Cellist nehme ich fast alles im Studio Weinberg auf. Erich Pintar nimmt mich auf, seit ich zehn Jahre alt bin. Nach 35 Jahren Zusammenarbeit wissen wir genau, wie wir arbeiten. Aber wir haben auch lange gebraucht, um auf diese Qualität zu kommen. In Wien arbeiten wir mit unterschiedlichen Studios, abhängig vom Projekt. Christoph Amann macht sehr viel für KAIROS. Einige schöne Sachen für paladino haben wir mit Franz Masser oder mit Martin Klebahn gemacht. Georg Burdicek hat einige sehr wichtige Produktionen wie die Soler-Platte von Christopher Hinterhuber und die Debussy- Preludes mit Vladimir Ashkenazy für uns gemacht. Pianisten gehen natürlich gerne zu ihm in das Studio tonzauber, weil er darauf spezialisiert und der Raum dafür hervorragend geeignet ist. Genau im Jubiläumsjahr ist Ihre 50. CD erschienen. Zufall? Ja. Was ich dabei beeinflusst habe, war, dass die 50. die Popper-Konzerte werden. Und mittlerweile ist schon meine 53. CD erschienen (lacht). David Popper ist offenbar schon lang eine Herzensangelegenheit? Ja, ich habe vor 15 Jahren die Etüden aufgenommen und mich dann intensiver mit ihm befasst. Er ist mir einfach sympathisch geworden. Er muss ein sehr witziger Mensch gewesen sein und war in allem, was er angepackt hat, Weltklasse. Als Orchester- Cellist spielte er in der fürstlich Hechingen’schen Kapelle in Löwenberg, die galt als das beste Orchester im deutschen Kaiserreich. Dann kam er als Solo-Cellist an die Wiener Hofoper, von wo aus er sich auf Tourneen als Solist durch ganz Europa begab. Nachdem er von Liszt zum Unterrichten berufen wurde, hat er den Ruf als einer der größten Lehrer dieser Zeit erlangt. Dann hat er auch noch Kammermusik gespielt, mit Jenö Hubay das Hubay-Popper- Quartett gegründet, mit dem unter anderem auch Johannes Brahms spielte. Dabei ist Popper kaum erforscht. Ich suche immer noch verschollene Werke von ihm und musste sogar den Totenschein ausheben, um die drei im Umlauf befindlichen Geburtstage auf den 18. Juni 1843 korrigieren zu können. Ich hoffe ja, einen Studenten dafür interessieren zu können, seinen PhD über Popper zu machen. Unterrichten Sie derzeit in Europa? Derzeit bin ich noch Direktor in Auckland. Ein großes Abenteuer. Ein großes Change-Management, für das ich angeheuert wurde. Was war das Ziel? Und was unterscheidet Auckland von Ausbildungsstätten in unseren Breitengraden? Bei allem, was ich mache, ist mir immer wichtig, dass es für irgendjemanden relevant ist. Relevanz zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Und ich glaube, dass ein Großteil der Musikausbildung in Mitteleuropa derzeit völlig irrelevant ist. Eine Haltung, die nicht immer auf Begeisterung trifft, etwa bei einer Gruppe von Kollegen aus Berlin, die sich enthusiastisch darüber ausgetauscht haben, wie toll sie ihre Studierenden auf das Probespiel vorbereiten. Das bezweifle ich auch nicht. Die Antwort auf meine Frage nach der Anzahl ihrer Oboe- Studenten war eine Zahl um die 20, die nach jener der jedes Jahr offenen Stellen in Deutschland war vier. Demgegenüber stehen also – hochgerechnet – rund 200 Studierende in ganz Deutschland. Die Frage, wie die Studierenden darauf vorbereitet werden, das Probespiel nicht zu gewinnen, blieb unbeantwortet. Vermittelt wird weder genug Kammermusik noch Neue Musik oder gar Kuratieren oder Sinn fürs Business. Die Studierenden haben keine historische Aufführungspraxis, unterrichten können sie auch nicht. So war MEDIA BIZ

zurück zum Inhalt menschen gespräch es in Auckland auch. Das klassische Konservatoriums-Modell. Jetzt werden wir aber die Studierenden, die zu uns ans Haus kommen, als erstes fragen: Wer bist du? Warum bist du hier? Was willst du von uns? Und ich stelle dabei fest, dass sie genau wissen, dass sie nicht der nächste Lang Lang werden, dass der Markt umkämpft ist. Viele haben Ideen, wollen gar nicht im Goldenen Saal Solokonzerte spielen. Will ein Posaunist etwa sowohl in der Blasmusik als auch im Symphonie-Orchester und in der Jazzband spielen können, möchte ich in Mitteleuropa gerne den Lehrplan sehen, der das erlaubt. Unser Lehrplan erlaubt das jetzt. In Amerika gibt es viele Institute, die inzwischen Composers‘ Orchestras haben. Jeder, der Komposition studiert, muss irgendein Instrument spielen. Egal, wie gut oder schlecht. Aber er muss das Erlebnis des Musikmachens erfahren. Dann müssen sie füreinander schreiben, damit sie lernen, wie das ist, wenn man etwas vorgesetzt bekommt. In Auckland wurde offenbar erkannt, dass Lehrpläne überdacht werden müssen. In Europa nicht? In Mitteleuropa hat irgendjemand den Veränderungsschalter abgestellt, ungefähr 1950. Das Studium dauert immer noch zehn Semester, und obwohl jedes Jahr ein Jahr neue Musik dazu kommt, spielen immer noch alle die Beethoven-Sonaten und das Brahms-Konzert. Warum muss jeder Cello-Student, auch jene, die gar nicht ins Orchester wollen, das Haydn-Konzert spielen? In Amerika fängt man an, intensiv darüber nachzudenken. Von Orchester-Ausbildung in den großen Städten, wo es eine Kooperation mit Orchestern wie in Cleveland oder Curtis gibt, bis zu Programmen wie an der University of Southern California (USC), wo ein Streichinstrument- Student lernen kann, wie man in einem Filmmusik-Orchester spielt oder in Popsessions als Streicher. Und Musik wird wie Fastfood behandelt. Deshalb ist auch die Studierendenmobilität so gering. Warum soll ich nach London oder München gehen, wenn ich in Wien das Gleiche gelehrt bekomme, was ich mir teilweise übrigens als Masterclasses auch auf YouTube anschauen kann? Es wäre schön, wenn dieser Dialog beginnen würde. Es ist schade um die Chancen, die hier vertan werden. Jeder Standort hat etwas, was ein anderer nicht hat. Helsinki hat das sehr gut gelöst. Kaarlo Hilden hat an der Sibelius Akademie die finnische Tradition, Volksmusik, integriert, und die Studierenden kommen nun von überall. Für Herbst sind noch einige Jubiläums-CDs geplant? Soeben ist auf KAIROS „ParZe- Fool“ von Bernhard Lang herausgekommen. Es folgt eine Olga Neuwirth Orchester-CD. Was mich persönlich sehr freut: Im September kommen die Zykan-Konzerte mit Heinrich Schiff und der Zyklus „Portulan“ von Tristan Murail, der Generationen von Komponisten und Komponistinnen beeinflusst, heraus. Jetzt beginnen wir die nächste Generation Lehrer, Aaron Cassidy oder Liza Lim etwa, die ganze Generationen von Studierenden beeinflusst haben, zu dokumentieren. Das finde ich sehr spannend. Auch im persönlichen Kontakt. Manchmal betrachte ich die Liste von Menschen, die mir schreiben und mit denen ich in Kontakt sein darf, und denke mir „Hast du ein Glück!“ Hatten Sie je einen anderen Berufswunsch? Den hab‘ ich einmal in der Woche (lacht). Musik ist ja quasi das einzige Feld, bei dem Erfolg mit Berühmtheit gleichgesetzt wird. Und damit setzen sich die Leute dann selbst unter Druck. Wenn man sich davon frei macht, wird man relativ schnell viel glücklicher. Wenn ich mich auf die Bühne setze, ist das Einzige, das zählt, ob es gut ist oder nicht. Ich fühle mich wahnsinnig privilegiert. In den letzten Wochen habe ich zwei Mal in Erl gespielt, beide Male umjubelt. Danke für das Gespräch! paladino media vereint die Labels paladino music, KAIROS, orlando records und Austrian Gramophone, einen Notenverlag und einen Webshop und ist mit einigen weltweit führenden Unternehmen wie der Universal Edition verbunden. paladino music hat sich mit Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Christopher Hinterhuber oder Patrizia Kopatchinskaja zu einem Label für Kammermusik- und Orchesteraufnahmen von Klassik aller Epochen entwickelt. Die Förderung und Präsentation von sowohl jungen als auch heimischen Komponisten und Musikern steht ebenfalls im Fokus. Auf Orlando Records finden sich Recitals und gemischte Programme von Künstler*innen wie Aleksey Igudesman, Kreisler Trio Wien oder dem Trio KlaVis, auf Austrian Gramophone Rezital-Programme von Künstler*innen wie Florian Feilmair, Jasmine Choi oder dem Trio Frizzante. Die Aufnahmen sind über alle wichtigen digitalen Download- und Streaming-Shops sowie physisch über ein internationales Vertriebsnetz erhältlich. Das angeschlossene ensemble paladino, eine gemischte Gruppe von Streich-, Blas- und Tasteninstrument-Spielern aus ganz Mitteleuropa, vereint namhafte Solist*innen und veranstaltet Konzerte, Meisterkurse und Komponistenworkshops in der gesamten EU. Im Mai 2019 ist die paladino media gmbh in die Hofmühlgasse 15 in 1060 Wien übersiedelt. www.paladinomedia.com MEDIA BIZ

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