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MEDIA BIZ September #243

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Film Forum Austria • Martin Rummel • #we_do! • Lehrling der Zeit • IBC • Austauschformate • Stage|Set|Scenery • Neuer Distributor für ClayPaky in Österreich • /slash Filmfestival • Neue und alte Medien in der Porzellangasse 4 • Neuer Distributionspartner für ClayPaky in Österreich • Festival-Einreichungen: TRICKY WOMEN / TRICKY REALITIES + K3 Kurzfilmwettbewerb • Space Dogs • ... MEDIA BIZ Newsletter: http://www.mediabiz.at/daten/newsletter.htm MEDIA BIZ Abo: Print: Euro 37 Österreich / Euro 48 Europa (EU) Print + Digital: Euro 44 Österreich / Euro 53 Europa (EU) Digital: Euro 37 (jeweils inkl. MWSt. und Versandkosten) https://www.mediabiz.at/abo/abomb.htm MEDIA BIZ Branchenführer 2019: www.mediabiz.at/branchenfuehrer/branchenfuehrer.htm MEDIA BIZ Termine: https://www.mediabiz.at/mediadaten/termine.htm

gespräch menschen

gespräch menschen zurück zum Inhalt Der Inhalt bestimmt die Form Martin Rummel: „Ich glaube, dass ein Großteil der Musikausbildung in Mitteleuropa derzeit völlig irrelevant ist.“ Fotos: Calvin Peter Die ersten Platten waren Klassik? Ja, „Wir bauen eine Stadt“ von Paul Hindemith oder „Peter und der Wolf“ von Prokofjew, dann folgten Mozart- und Beethoven- Symphonien. In der Volksschule gab es eine Singschule. Das Schulwesen war damals noch sehr auf Musik ausgerichtet und das Musikschulwesen hervorragend. Begonnen habe ich mit Klavier beziehungsweise Cembalo. Der Zufall führte mich zur Mutter des Cellisten Heinrich Schiff, die in Linz an der Musikschule unterrichtet hat und einen Platz frei hatte. Dann wurde das Cello spruchreif. Absolutes Gehör, aber Heuschnupfen, somit kein Blasinstrument. Für Klavier war ich mit fünf Jahren schon zu spät dran. Martin Rummel, Gründer und CEO der paladino media gmbh, fühlt sich privilegiert und ist glücklich, all das tun zu dürfen, was er tut. Eine Haltung, die dem Musiker in seinem vielfältigen Schaffen, von dem er im Gespräch mit Sylvia Bergmayer erzählt, immer wieder Mut zu Neuem einflößt. Gegründet 2009, als die Branche schon erste Krisen vermeldete, feiert paladino music, der Ursprung und eines von vier Labels der paladino media gmbh, sein zehnjähriges Bestehen. Doppelt so lange gibt es das mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnete Label für zeitgenössische Musik KAIROS, das 2015 von paladino gekauft wurde. Der Gründer und CEO von paladino, Martin Rummel, der als Cellist international gefragt ist, hat im April dieses Doppel-Jubiläumsjahres sein 50. Album beim Label Naxos herausgebracht. Zudem fungiert Rummel immer wieder als Intendant unterschiedlicher Musikfestivals, hat bis 2014 rund 65 Sendungen auf Radio Stephansdom moderiert, hält Meisterklassen ab und wirkt seit fast vier Jahren als Head of the School of Music an der University of Auckland, wo er den Lehrplan den Bedürfnissen der Studierenden entsprechend neu gestaltet hat. Er selbst betrachtet sich als Musiker: „Das Cellospielen ist nur ein Teil. Inhaltliche Zusammenhänge herstellen in der Musik ist etwas, was mich fasziniert und sich in verschiedenen Formen äußert, sei es die Kuratierung meines Unternehmens oder eines Lehrplans im Rahmen meiner Hochschularbeit.“ Europa hinke, so Martin Rummel, rund 30 Jahre hinterher: „Musikausbildung ist derzeit wie Fastfood. Wenn ich in Madrid, Wien, Berlin oder in Tokyo die Lehrpläne ansehe, es wird überall das Gleiche unterrichtet. Das wollen auch die Studierenden nicht mehr.“ Musik gehört in Ihrer Familie ganz selbstverständlich dazu? Meine Eltern sind mit Musik aufgewachsen, mein Vater mit einem breiteren Spektrum, auch mit Schlager und Pop, meine Mutter war eher auf das klassische Genre fixiert. Sobald ich halbwegs stillsitzen konnte, wurde ich mitgenommen, im Alter von vier oder fünf Jahren. An einige Konzerte kann ich mich heute noch bildlich erinnern. Ich habe auch früh einen Plattenspieler bekommen. Als Cellist sind Sie sehr rasch erfolgreich geworden. Ich hatte einfach Glück. 1989 habe ich meinen ersten Musikpreis gewonnen und von diesem Zeitpunkt an Chancen bekommen, vor Publikum zu spielen. Natürlich erst viel Kleinkram, aber optimal, um Routine zu bekommen. Wieder durch Zufall hat es mich nach London zu William Pleeth verschlagen. Mit 20 habe ich meine erste CD aufgenommen und dann eine Aufnahme-Karriere gemacht, die so heute nicht mehr möglich wäre. Das versuche ich auch der jüngeren Generation zu vermitteln. Die Gründung von paladino war aber kein Zufall? Nein (lacht). Meine erste Aufnahme war bei Musicaphon, ein kleines, feines deutsches Nischen-Label, das Rainer Kahleyss aufgebaut hat und das mit dem Klassik Center Kassel verbunden ist. Wir haben 2001 mit unserer Zusammenarbeit begonnen, mit unserem gemeinsam entwickelten Etüden-Projekt. Ich hab‘ mich dann um eine Mischung aus gängigem Repertoire wie Beethoven-Sonaten und ausgefalleneren Sachen bemüht, wie den Reger-Sonaten, die Dallapiccola-Version der Vivaldi- MEDIA BIZ

zurück zum Inhalt menschen gespräch Sonaten, aber auch die César- Franck-Sonate. Mit den Anfängen der Digitalisierung kam die „Jetzt-ist-allestot-Panik“. Zu der Zeit habe ich auch diverse Festivals geleitet, mit vielen Kollegen gespielt, die bestimmte Werke gerne aufgenommen hätten, aber verunsichert waren. Jammern liegt mir nicht. Also habe ich beschlossen, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Ich habe überlegt, wie so ein Modell ausschauen kann – zunächst gemeinsam mit Wolfgang Lamprecht. Wir haben ein Rundum-Konzept entwickelt, bei dem ein Künstler mehr als nur das Produkt bekommt. Wir haben auch den Verlag und das Know-how, um Leute zu beraten zu Themen wie Verwertungsgesellschaften oder PR und Marketing. 2011 habe ich Wolfgang seine Anteile abgekauft. Kurz danach, 2011 und 2013, haben Sie zwei weitere Labels gegründet und im Jahr 2015 KAIROS gekauft. Warum vier Labels? Die breite Aufstellung ermöglicht es, jedes Produkt so zu platzieren, dass die Form diesem am gerechtesten wird. Der Inhalt bestimmt ja die Form. Ein Grundsatz, von dem ich in den zehn Jahren nicht abgewichen bin und den ich auch beim Musizieren für wichtig halte. Ich habe neulich einen sehr klugen Artikel in der Züricher Zeitung gelesen: „Musik zum Anschauen“. Das ist momentan sehr verbreitet. Nahaufnahmen, bei denen die Leute Grimassen ziehen, den Bogen schmeißen und Ähnliches. Schließt man die Augen, bleibt oft sehr wenig Musik übrig. Will man damit Klassik der breiteren Masse näherbringen? Das spielt sicher auch eine Rolle. Die Grundidee, Schwellenängste abzubauen, finde ich ja gut. Ich verstehe auch nicht, warum ein Orchester immer noch im Frack spielen muss. Bei Festivals auf dem Land, wo man hinterher mit den Leuten bei einem Glas Wein zusammensitzt, bekomme ich oft, wenn ich von Konzerten im Brucknerhaus oder im Musikverein erzähle, Antworten wie „Da war ich noch nie, was zieh‘ ich denn da an?“. Dass man es nicht schafft, Leute, die eigentlich kommen wollen, abzuholen, liegt zum Teil auch daran, dass an manchen Stellen Leute am Ruder sind, die keine Ahnung von der Sache haben und die ganz bewusst so eine Absetzung schaffen wollen. Erfreulicherweise ändert sich das allmählich. Und leider haben die Medien den Musikjournalismus weggespart. Rund 80 Prozent aller Kritiken haben nichts mit dem zu tun, was auf der Bühne passiert, sind Teil der PR-Maschinerie. Bis zu einem gewissen Grad macht davon jeder Gebrauch, davon ist man ja nicht ausgenommen. Aber es ist schade, dass es das Korrektiv dazu in Europa nicht mehr gibt. Die New York Times hält sich immer noch Zachary Woolfe und seinen Stab. Deswegen spielen bestimmte Künstler nicht in New York. Weil sie wissen, dass dort die PR-Maschinerie nicht funktioniert. Es gibt zwar universitäre Einrichtungen, die Musikjournalisten ausbilden, aber keinen Platz mehr für kritischen Diskurs. Ja, aber in fünf, sechs Jahren wird sich eine Blogger-Szene gebildet haben. Weil es zunehmend nicht nur für Musiker, sondern für die Branche frustrierend ist, dass irgendetwas, was offensichtlich einfach Mist ist, mit großen goldenen Lettern als das Beste seit der Erfindung von geschnittenem Brot verkauft wird. Und umgekehrt, etwas, das wirklich herausragend gut ist, nicht die entsprechende Aufmerksamkeit bekommt. Wesentlich ist dabei natürlich die Frage: Was ist eine anerkannte Quelle? In der Neuen Musik kommt das Korrektiv jedenfalls. Auf KAIROS sehen wir eine sehr, sehr aktive Bloggerszene international, in Polen, in Spanien oder in Südamerika, mit wirklich fundierten Blogs. In der Neuen Musik ist Gemeinschaft viel stärker ausgeprägt. Ja, besonders die Komponisten sind auch loyaler im Umgang miteinander. Man braucht sich ja nur die Facebook-Seite von Olga Neuwirth anzusehen, die mit viel Enthusiasmus über die Musik von anderen Leuten schreibt. Ein klassischer Geiger redet immer nur über sich. Da muss ich allerdings Heinrich Schiff Tribut zollen. Als ich meine Bach-Suiten aufgenommen habe, eine der ersten paladino-Platten, hat er mir, obwohl wir einige Jahre nichts voneinander gehört hatten, ein sehr nettes Email geschrieben und mir gratuliert. Da habe ich mir vorgenommen, diesen Geist – jemandem auch unaufgefordert zu etwas zu gratulieren – am Leben zu erhalten. Das ist der Klassik irgendwie abhandengekommen. Es gehen ja alle nur hin, um zu lästern (lacht). Im Klassik-Bereich sind CD-Verkäufe in den letzten Jahren wieder konstant geblieben? Das ist marktmäßig unterschiedlich. Deutschland ist, mit mehr als 70 Prozent Anteil im Jahr 2018 am physischen Klassikgeschäft, immer noch der stärkste Markt. Das ist schon eine Veränderung im Vergleich zur Dekade davor. Der Absacker hat stattgefunden, jetzt bewegt es sich auf einer halbwegs geraden Linie weiter. paladino ist physisch sogar gewachsen, unter anderem weil wir ein junges Unternehmen sind und uns immer noch auf manchen internationalen Märkten etablieren. Ich glaube, das physische Produkt wird nicht ganz aussterben, die ganz tiefe Talsohle haben wir Im April hat Martin Rummel, der als Cellist international gefragt ist, sein 50. Album (David Poppers Cello Konzerte mit dem Czech Chamber Orchestra Pardubice, Mari Kato (Klavier) und Tecwyn Evans (Dirigent) beim Label Naxos herausgebracht. MEDIA BIZ

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