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MEDIA BIZ April #239

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festival schaffen des

festival schaffen des österreichischen films zurück zum Inhalt hörte, jahrelang davon ausging, dass die Studenten während der Diagonale schön brav in die Metternichgasse oder in die Linke Bahngasse pilgerten statt nach Graz, hat umgedacht. Im Panoramageschoss des Kunsthauses Graz, wo im Erdgeschoss das Presse- und Gästezentrum untergebracht ist, fanden während der Diagonale reguläre Lehrveranstaltungen statt - waren doch so gut wie alle Studenten ohnehin nach Graz gekommen. Die „charmanten Intendanten“ Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber. Verbindende Strecke Eine Diagonale verbindet laut Definition zwei nicht benachbarte Punkte. Das Festival des österreichischen Films verbindet - wenn man so will – durchaus nicht benachbarte Filmschaffende, die sich aber - zumindest an fünf Tagen im März in Graz - durch den Film und gemeinsame Anliegen verbunden fühlen, hat Wolfgang Ritzberger beobachtet. Fotos: Diagonale /Sebastian Reiser ist Gift für die Gesellschaft“, stellte Sebastian Höglinger, „Nationalismus die eine Hälfte der „charmanten Intendanten“, wie sich der Moderator Manuel Rubey bei der Eröffnung ausdrückte, lapidar fest. Mehr war gar nicht nötig. Die mehr als 2.000 Gäste der Eröffnungsveranstaltung - die List-Halle in Graz wird ja an diesem Tag zum größten Kino Österreichs - zeigten ihre Zustimmung dazu durch anhaltenden Applaus. Dann erst konnte Höglinger berichten, dass dies der Titel des diesjährigen Diagonale-Trailers von Johann Lurf sei und die Diagonale 2019 eigentlich kein Motto habe, der Titel des Trailers würde ausreichen. Peter Schernhuber ergänzte, eigentlich sei ohnehin schon alles gesagt und es bleibe nur, sich dem anzuschließen. Dem charmanten und sympathischen Duo an der Spitze des Festivals des österreichischen Films gelang es auch heuer wieder, die ihnen eigene Begeisterung für die Diagonale und für das Kino wie selbstverständlich an die Zuschauermenge zu übertragen, das Publikum gleichsam anzustecken. Die beiden schaffen es jedes Jahr, trotz Marathon- Stress und bewundernswerter Anstrengungen, locker, gelöst, ja nahezu erleichtert und begeistert zu vermitteln, wie sehr sie sich freuen, dass es endlich wieder losgeht. Die bedeutungsschwangere Dramatik, die immer auch ein wenig ein „Es war nicht leicht“ - Statement mitschwingen ließ, ist verschwunden. Fast jugendliche Freude, Freude am Film und am Feiern, ist das Motto - und Sebstian Höglinger erwähnte auch heuer als Zwischenbemerkung, dass wieder das gelte, was er schon die letzten Jahre gesagt habe, es gehe ums ordentliche feiern. Umdenken Das färbt natürlich ab und ist fast schon auch Programm, denn das Publikum speist sich, auch bei den vielen Veranstaltungen abseits des Kinos, zu einem guten Teil aus dem Nachwuchs, der hier auch tragfähige Plattformen vorfindet wie etwa das von Dominik Tschürtscher entwickelte Cinema Next Breakfast. Selbst die Filmakademie, die, wie man Golden Balls Zurück zur Eröffnung. Der große Schauspielpreis ging heuer an Birgit Minichmayr, deren Ausnahmetalent zu beschreiben müßig wäre. Sichtlich gerührt und bewegt von der sehr persönlichen Laudatio von Veronika Franz und Johanna Orsini-Rosenberg nahm sie das Kunstwerk entgegen, das den Trägern des Schauspielpreises übergeben wird - Ashly Hans Scheirl, der Schöpfer des Preises, betonte, es sei kein Preis im eigentlichen Sinn, sondern eben ein Kunstwerk. Heuer waren es „golden balls“, genau das, was jedem jetzt einfällt (siehe Foto). „Die kann ich brauchen!“, rief Birgit Minichmayr. „Die hast Du schon“, kam die prompte Replik. Ein eigenes Screening war dem Schaffen des Experimentalfilmers Johann Lurf gewidmet, der auch für den diesjährigen Festivaltrailer verantwortlich zeichnet, der offiziell wie folgt beschrieben wurde: „Eine starre Einstellung auf ein bunt strahlendes Wasserrad, das sich im nächtlichen Flusslauf dreht. Das Setting von Cavalcade erscheint simpel. Der Effekt von Johann Lurfs Film über die Grundparameter des Mediums gründet jedoch auf einer ausgeklügelten Versuchsanordnung: auf dem Zusammenspiel von Licht, Aufzeichnungsapparatur und kinetischer Energie, ohne das die Illusion von Stillstand und Bewegung nicht zustande käme.“ Ein streitbarer Film, gedreht auf „echtem“ Film So ungeteilt der Schauspielpreis Zustimmung fand, so geteilt waren die Reaktionen auf den Er- MEDIA BIZ

zurück zum Inhalt festival des schaffen österreichischen films öffnungsfilm „Der Boden unter den Füssen“ von Marie Kreutzer, der heuer im Wettbewerb der Berlinale in etwa die gleichen geteilten Reaktionen hergerufen haben soll. Ihre zum Teil beängstigende Schilderung der ständigen Bedrohungen, denen die Protagonistin (Valerie Pachner) durch ihren Job, ihre Chefin (Marvie Hörbiger), zu der sie eine Liebesbeziehung hat, und ihre psychisch kranke Schwester (Pia Hierzegger) ausgesetzt ist, sind intensiv und von einer grandiosen Leistung der Schauspielerinnen geprägt. Trotzdem wollte oder konnte ein Teil des Eröffnungspublikums der Grazer Regisseurin nicht folgen, so sich das im anschließenden Small Talk überhaupt eindeutig feststellen lässt. Und die eine oder andere kritische Stimme gibt es nach jedem Film. Noch während der Diagonale lief „Der Boden unter den Füssen“ in den Kinos an, bei Erscheinen dieser Ausgabe werden wir schon wissen, ob sich der Erfolg bei Berlinale und Diagonale auch an der Kinokasse hat umsetzen lassen. Der Kinostart während des Festivals in Graz war jedenfalls sicher ein geschickter Schachzug des Verleihs, der so ein Maximum an Aufmerksamkeit zu nutzen verstand. Kreutzer drehte den Film übrigens auf 35 mm, also auf Film, wie sie bei der Eröffnung betonte, nicht ohne ihre Kamera frau Leena Koppe, die schon mehrere ihrer Filme fotografiert hat, zu erwähnen. Produktionsleiter Gottlieb Pallendorf, den ich am nächsten Tag beim schon traditionellen Empfang der steirischen Filmwirtschaft auf dem Schlossberg traf, erzählte vom eigenen Charme, den das Drehen mit „echtem“ Film hat. Jeder am Set wisse, dass beim analogen Film jede Minute, die durch die Kamera rausche, echtes Geld koste. Daher sei jeder, so Pallendorf, wenn die „Mühle“ eingeschaltet wird, auf eine ganz eigene Art fokussiert und konzentriert. Bei einer digitalen Kamera erlebe er das nicht ganz so, dieses nur auf diesen einen Augenblick Zentriertsein. Wahrscheinlich, weil es irgendwie gefühlt ja egal sei und es angeblich nichts koste. Drehen wir das halt noch einmal, lasst’s einfach laufen. Obwohl, und das wissen wir beide, das so nicht stimmt, denn ein mehr auch an exponiertem Material, auch wenn’s nur ein Datenfile ist, generiert auch mehr Arbeit, mehr Zeit, die dafür aufzuwenden ist und viel mehr Zeit, die beim Schnitt in das Betrachten investiert wird. Wäre spannend zu wissen, was dem Ergebnis mehr nützt, was sich aber so nie feststellen lassen wird. „Ich hab das noch so gelernt“, sagt Gottlieb Pallendorf über das Drehen mit „echtem“ Film, „aber die jüngeren Kolleginnen und Kollegen, für die ist das eine ganz neue und vor allem auch interessante Erfahrung.“ Kodak habe so auch in den letzten Jahren eine kleine Wiedergeburt erlebt, denn auch in Hollywood würden etliche Altmeister wieder zum Film zurückkehren. Der Wehrmutstropfen dabei, in Österreich gibt’s kein Kopierwerk mehr, was für „Der Boden unter den Füssen“ bedeutete: die exponierten Rollen mussten nach Paris und nachher wieder zurück nach Wien. Gottlieb Pallendorf, Absolvent der Filmakademie, war in den letzten Jahren bei etlichen bekannten Filmen von Antonin Svobodas Streifen über Wilhelm Reich über „Die Werkstürmer“ von Andreas Schmied oder Franz Novotnys Film „Deckname Holec“ bis zu Markus Schleinzers „Angelo“ als Produktionsleiter dabei, ist übrigens vom analogen Film nach wie vor überzeugt. Das echte, wahre Kinoerlebnis, Film als Filmkultur sei, so sein Credo, nur mit analogem Film möglich. Womit wir wieder direkt beim Eröffnungsfilm sind, über den die beiden Intendanten im Programmheft schreiben: „Marie Kreutzer traut sich viel und mutet dem Publikum einiges zu - das ist erfrischend, wohltuend und ein wagemutiger Schritt aus der Komfortzone. „Der Boden unter den Füssen“ ist sicher ein streitbarer Film, jedenfalls einer, für den wir nicht nur streiten, sondern klar Position beziehen. Für die Kunst im Kino!“ Wettbewerbsfilme Neben dem Eröffnungsfilm traten 21 weitere Spielfilme, darunter auch ein ORF-Landkrimi, und 22 Dokumentarfilme im Wettbewerb an. Darunter waren heuer etliche Filme, die ihre Kino auswertung schon hinter sich gebracht oder bei anderen Filmfestivals große Momente erlebt hatten, wie etwa der Film „3 „Golden Balls“ für Birgit Minichmayr - ein Kunstwerk das der Ausnahmekünstlerin mit dem Großen Schauspielpreis 2019 übergeben wurde. MEDIA BIZ

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