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MEDIA BIZ April #239

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zirkus-spektakel

zirkus-spektakel schaffen zurück zum Inhalt Die Lebensfreude betonen „Afrika! Afrika!“ begeistert beständig mit faszinierendem Blick auf den Kontinent. Wir waren in Addis Abeba und besuchten dort einige der Artisten der Show sowie die Talente von morgen. Text: Steffen Rüth Nach einer Idee von André Heller Im Dezember 2005 feierte André Hellers Zirkusextravaganz in eigens gestalteten Zeltpalästen in Frankfurt am Main Weltpremiere. Als eine der erfolgreichsten Tourneen in Europa verzeichnete die Show 2008 mehr als drei Millionen Besucher. Ab Oktober 2013 tourte „Afrika! Afrika“ erneut durch Deutschland, Österreich und die Schweiz - als multimediales Theaterereignis mit LED-Wand und Video-Einspielungen und feierte am 29. April 2014 in der Mannheimer SAP-Arena das Tour-Finale. Die Neuinszenierung war von Januar 2018 fünf Monate auf Tournee und ist seit März 2019 wieder unterwegs. Für die Produktion und die Tourneeplanung der neuen Bühnenshow (mit fast 70 Künstlern aus mehr als zehn Ländern, Videokunst und Live-Band) zeichnen die Veranstaltungshäuser Show Factory (Bregenz), und Semmel Concerts (Bayreuth), verantwortlich. Die Gegend ist nicht die beste, gleichwohl typisch für Äthiopiens Viereinhalb-Millionen- Hauptstadt Addis Abeba. Auf der staubigen Split-Straße, die steil den Hügel hinaufführt, um schließlich am Mount Entoto, der höchsten Erhebung der ohnehin auf fast 3000 Metern sehr hochgelegenen Metropole zu enden, herrscht samstagvormittägliches Wuseltreiben. Ungefähr alle fünfzig Meter bietet Foto: Marija-Kanizaj ein Schlachter von der Decke baumelnde Tierhälften an, statt Supermärkten gibt es überall winzige Läden mit Essentiellem wie Abseitigem, viele Männer schrauben, gern in Gruppen, an baufälligen Karren, die hier vorwiegend tschechischen Lada-Fabrikats und nicht mehr die frischesten sind, herum. Wer jedoch von der geschäftigen Hauptstraße in ein kleines Gässchen einbiegt, kommt nach wenigen Metern auf einen Innenhof, alles ist plötzlich ruhig, aufgeräumt, behaglich. Hier lebt Abrham Woldehawaryat, ein 24-jähriger Jongleur und einer der Äthiopier, die bei der diesjährigen Tournee von “Afrika! Afrika!“ mit einer Solonummer im Programm sind. Abrham zeigt uns sein Zimmer. An der Wand hängen Bilder von Bob Marley und der Gottesmutter, in der Ecke steht eine kleine Harfe aus Holz und Tierfell, ordentlich in einer Schachtel verpackt seine weißen Silikonbällchen, das Arbeitswerkzeug, mit dem er „neue Geheimtricks“ einstudiert, wie er lachend erzählt. Woldehawaryat lebt mit Vater, Mutter und Schwester zusammen, im Wohnzimmer hängt eine Siegerurkunde des Jongleur-Wettbewerbs im chinesischen Puyang, auch ein Foto von einem Jugendzirkusfestival in Moskau, Abrham ist bereits gut herumgekommen in der Welt. „Meine Eltern waren erst skeptisch“, sagt er, „weil Jon- Georges Momboye war ab 2004 als Chef-Choreograf an der Seite von André Heller für das Bühnenspektakel verantwortlich und fungiert seit dem Ausscheiden von Heller 2008 auch als künstlerischer Gesamtleiter. MEDIA BIZ

zurück zum Inhalt zirkus-spektakel schaffen gleur für sie kein richtiger Beruf ist. Aber dann fing ich an, in den USA, Europa und China aufzutreten und Geld zu verdienen. Jetzt finden beide toll, was ich mache, und sind stolz.“ Mit 12 begann er zu jonglieren, zunächst im Jugendzentrum die Straße runter, bald schon in der Zirkusschule. Dort wurde Winston Ruddle auf Abrham aufmerksam und nahm ihn nach eingehender Beobachtung unter Vertrag. Ruddle (51) ist der Talentscout von „Afrika! Afrika!“, zusammen mit dem Produzenten Hubert Schober (Semmel Concerts), einem drahtigen Endfünfziger aus der Oberpfalz, begleitet er die Journalisten während der drei, vier Tage in Addis Abeba. Der Mann ist ein Weltbürger. Geboren in Simbabwe leitet Winston Ruddle, der seine Karriere als Drahtseiltänzer und Clown begann, eine Zirkusschule in Daressalam, der Hauptstadt Tansanias, auch in Australien hat er eine Wohnung. Die meiste Zeit verbringt er jedoch seit 15 Jahren in Köln („Die Stadt ist meine Heimat geworden“), wo er mit seiner aus der Mongolei stammenden Freundin lebt, die deutsche Staatsbürgerschaft hat Ruddle inzwischen auch. „Talent erkenne ich sehr schnell“, behauptet er. „Entscheidend sind für mich Körperbeherrschung, der Blick und die Ausdrucksstärke.“ Fehler und Nervosität hingegen, so der Scout, der auch für andere Produktionen arbeite und außerdem als Manager einiger Artisten tätig ist, ließen sich durch Üben ausmerzen. Abenteuer, Traum und Chance „Afrika! Afrika!“ ist längst eine bestens etablierte Marke. André Heller hat das schillernde Spektakel rund um die afrikanischen Akrobaten, Tänzer, Musiker sowie den nicht ganz echten Elefanten Dumbo 2005 ins Leben gerufen. Nach zwischenzeitlicher Insolvenz und erfolgreichem Neustart im vergangenen Jahr wird die Show inzwischen von George Momboye verantwortet. Winston Ruddle war damals wie heute dabei und hat miterlebt, wie rasant sich die Zirkuskultur in afrikanischen Ländern wie Kenia oder Marokko und speziell in Äthiopien entwickelt hat. Warum? Vor allem dank YouTube und anderen Social-Media-Anbietern. „Die Kids schauen sich im Internet die Tricks an und probieren selbst aus, was sie sehen.“ Allein in Addis gibt es mittlerweile etwa 15 Zirkusschulen, die Kinder kommen nach der regulären Schule hierher und üben, sie sind auch Treffpunkt, allerdings kein klassisches Sozialprojekt. Der Unterricht in den oft von ehemaligen Artisten gegründeten Schulen ist zwar kostenlos, schafft es einer der Teenager jedoch später, in der Showbranche Fuß zu fassen, werden Anteile vom Honorar fällig. „Der Zirkus ist ein relativ einfacher Weg aus der Armut heraus“, erklärt Winston Ruddle. Auf Kreuzfahrtschiffen, zunehmend in China und Macau, in Las Vegas und eben für Shows wie „Afrika! Afrika!“ werden ständig neue Acts nachgefragt. Jugendliche wie Hikma, ein schüchternes Mädchen, das wir in der Zirkusschule kennenlernen und das mit ihrem Cyr Wheel (einem Rhönrad mit nur einem Reifen) erstmals bei „Afrika! Afrika!“ dabei sein wird. Für die junge Artistin ist die Tournee Abenteuer, Traum und Chance. Für manch anderen freilich kann eine europäische Zirkusshow auch Sprungbrett ganz anderer Art sein. Produzent Schober weiß von einem kompletten afrikanischen Ensemble zu berichten, das sich während einer Tournee in den Niederlanden absetzte. „Manche siehst du nie wieder“, sagt er. „Aber wir vertrauen unseren Artisten und den Schulen, die sie ausbilden.“ Die Cleveren, so Ruddle, würden ihre Einkünfte in Äthiopien investieren. Zumal ein Spaziergang durch die Hauptstadt keinen Zweifel lässt: Hier entsteht etwas. Baukräne an jeder Ecke, und in einigen Vierteln wähnt man sich bereits eher in einer südeuropäischen Metropole als in der Dritten Welt. Was aber ist das Einzigartige an Zirkuskunst aus Afrika? Wir besuchen die Lambert Circus Ethopia School, die Schüler dort haben eine gut einstündige Show einstudiert, es gibt Jongleure, Bodenturner, Menschenpyramiden, ikarische Spiele (großer Junge fußjongliert mit kleinem Jungen) und einen Seilartisten. Nicht alles klappt, aber alle sind mit Freude und Zähigkeit dabei. „Auch Afrikaner erfinden den Zirkus nicht neu“, sagt Winston Ruddle. „Aber verglichen etwa mit den Chinesen, bei denen alles immer perfekt ist, sind die Shows nicht so langweilig. Die Afrikaner haben einfach Charisma und sehen auf der Bühne wirklich glücklich aus.“ Die Kritik, dass Shows wie „Afrika! Afrika!“ ernste Probleme des Kontinents - etwa Armut, Kriminalität, Korruption, Krankheiten – ausblenden, weist Ruddle von sich. „Natürlich ist nicht alles gut. Doch die Menschen sind großartig. Wir stehen jedenfalls dazu, dass wir in „Afrika! Afrika!“ die Lebensfreude betonen und die positiven Seiten Afrikas hervorheben.“ „Afrika!Afrika“ in Österreich: 30. April: Bregenz, Festspielhaus 1. bis 3. Mai: Salzburg Arena 4. bis 5. Mai: Klagenfurt, Kärntenhalle 7. bis 8. Mai: Innsbruck, Olympiahalle 10. bis 12. Mai: Linz, TipsArena 15. Mai: Wiener Neustadt, Arena Nova 16. bis 19. Mai: Wien, Stadthalle, Halle F Die Tournee führt durch 30 Städte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxembourg. www.afrikaafrika.de Abrham Woldehawaryat Fotos: Nilz Boehme MEDIA BIZ

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