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MEDIA BIZ covers all aspects of the audio-visual industry with tips and reports on applications and installations, interviews, the latest industry trends, technologies and products concerning film & video, broadcast, IT, professional audio, music, (live) events, digital media, gaming, videoconferencing, digital signage, presentations, etc. MEDIA BIZ - Fachmagazin & Plattform für Medien- & Kulturschaffende im deutschsprachigen Raum – informiert seit rund 25 Jahren die AV-Branche mit Trend-, Anwender-, Best-Practice-, Test- & Messeberichten, Interviews, Expertentipps, sozialkritischen Beiträgen & Impulsen aus den Bereichen Film, Video, Audio, Broadcast, IT, Multimedia, Bühne, Musik, Gaming oder Digital Signage. MEDIA BIZ schlägt die Brücke von Profis zu Film- und Musikfans und allen an Kultur Interessierten mit spannenden Einblicken hinter die Kulissen und Berichten über Produktionen, Projekte und Produkte der Entertainmentbranche und deren Protagonisten. Das Autorenteam von MEDIA BIZ besteht aus erfahrenen Journalisten und Journalistinnen und Experten und Expertinnen aus den jeweiligen Bereichen. www.mediabiz.at, www.facebook.com/MEDIABIZ.at Die nächste Ausgabe von MEDIA BIZ erscheint am 2. März 2018 mit einem Nachbericht von der ISE in Amsterdam und einer Vorschau auf die Prolight+Sound und Musikmesse in Frankfurt, aktuellen Entwicklungen im Bereich Kameratechnik, Virtual und Augmented Reality, Beschallungstechnik, Storytelling, Datensicherung und -speicherung, Aus- und Einblicken vor und hinter die Kulissen beeindruckender Events, auf Produktionen und Projekte Made in Austria, dazu Testberichte, Interviews und mehr ... Redaktionsschluss: 14. Februar 2018 Termine und Schwerpunkte 2018: http://www.mediabiz.at/mediadaten/MEDIABIZ_mediakit_2018.pdf

gespräch menschen

gespräch menschen zurück zum Inhalt Können Sie sich noch daran erinnern, wie ursprünglich die Idee entstanden ist, eine Verwertungsgesellschaft für Filmschaffende zu gründen? Walter Dillenz: Die Idee zur Gründung einer Verwertungsgesellschaft für Filmschaffende ging parallel von mehreren Gruppen und Protagonisten aus. Der Verband Österreichischer Kameraleute aac hatte sich bereits seit 1984 mit Urheber- und Verwertungsrechten für Filmschaffende auseinandergesetzt und immer wieder auf die Situation hingewiesen, dass keine österreichische Verwertungsgesellschaft die Rechte von Filmurhebern wahrnehme. Parallel dazu hat Ulrich Schulenburg vom Thomas Sessler Verlag herausgefunden, dass da Rechte brachliegen und genutzt werden könnten. Daher wollte er eine Verwertungsgesellschaft für Filmschaffende gründen. Nach 25 Jahre VdFS Die Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden (VdFS) wurde 1992 von einer Handvoll Filmschaffenden, Rechts- und Steuerexperten in der Rechtsform einer Genossenschaft mit beschränkter Haftung gegründet. Univ. Prof. Dr. Walter Dillenz, Geschäftsführer von 1992 bis 2012, und Prof. Dipl.-Ing. Eva Ulmer-Janes, Vorstandsvorsitzende von 1997 bis 2013, werfen einen Blick zurück auf die bewegte Geschichte der VdFS. Gespräch: Gabrielle Schultz meinem Weggang von der AKM war ich als Urheberrechtsexperte auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und habe daher zugegriffen, als mich der Sessler Verlag engagiert hat. Bis zu dem Zeitpunkt waren nämlich Tantiemen für Kabelfernsehen und Privatkopievergütung, die sogenannten Zweitverwertungsrechte, ausschließlich von den Verwertungsgesellschaften wie AKM, Literar-Mechana, VAM und VGR allein eingenommen und verteilt worden. Eva Ulmer-Janes: Franz Novotny erfuhr von diesen Plänen, ihm war sofort klar, dass eine Verwertungsgesellschaft nur dann wirklich zugunsten der Filmschaffenden agieren würde, wenn diese darin auch das Sagen hätten. Mit Hilfe seiner politischen Kontakte und mit Unterstützung des Dachverbands der österreichischen Filmschaffenden wurde also auch von dieser Seite die Gründung einer VG betrieben. Walter Dillenz: Gemäß den österreichischen Gesetzen erhält aber für jede künstlerische Sparte nur eine Verwertungsgesellschaft eine Betriebsgenehmigung – wir mussten uns daher irgendwie einigen. So ist es zur Gründung der VDFS im Jahre 1992 gekommen. Erfreulicherweise sind die Filmschaffenden meinem Rat gefolgt und haben die Rechtsform einer Genossenschaft gewählt, die ja am ehesten demokratisch organisiert ist und den Mitgliedern die meisten Gestaltungsmöglichkeiten einräumt. Einige Jahre später ist es dann dank der kundigen Unterstützung durch unseren Syndikus, Michel Walter, gelungen, uns wieder von Herrn Schulenburg, der ja fürwahr kein Filmurheber war, zu trennen. Die deutsche VG Bild-Kunst, die seit 1968 existiert, hat bereits 1982 Filmurheber und Filmproduzenten in die Verwertungsgesellschaft aufgenommen. Warum passierte die Gründung der VdFS, die zu Beginn ja noch VDFS (Verwertungsgesellschaft des Dachverbands der Filmschaffenden) hieß, erst Anfang der neunziger Jahre? Walter Dillenz: Abgesehen davon, dass der Film im Vergleich zu anderen, sehr viel älteren Künsten wie beispielsweise der Literatur oder der Musik eine vergleichsweise junge Kunstgattung darstellte bzw. darstellt, war in Österreich die sogenannte cessio legis maßgeblich dafür verantwortlich, dass es bis 1992 noch keine Verwertungsgesellschaft im Filmbereich gab. Dieses Urheberrechtsgesetz aus dem Jahre 1936 übertrug alle Verwertungsrechte unmittelbar auf den Produzenten. Das heißt, im Moment der Fertigstellung eines Films wurden die Filmurheberrechte sofort vom Produzenten aufgesaugt. Eva Ulmer-Janes: 2012 hat die VdFS dann einen Musterprozess vor dem Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) initiiert, in dessen Verlauf festgestellt wurde, dass die cessio legis rechtswidrig sei. Seit 2012 ist die cessio legis als sogenannte ‚widerlegliche Vermutungsregel’ zugunsten des Filmproduzenten auszulegen. Der Wegfall der cessio legis wurde durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) im Jahr 2014 nochmals bestätigt. Seitdem sind Filmschaffende und Schauspielerinnen und Schauspieler gleichwertig wie alle anderen Urheber und Leistungsschutzrechteinhaber zu behandeln. Hat die Bild-Kunst Sie bei der Gründung der VdFS unterstützt? Walter Dillenz: Ja, ich kann mich noch gut an unsere Reise nach Bonn erinnern. Sie waren damals ja als Journalistin mit dabei und Franz Novotny als Vorsitzender des Dachverbandes. Er hat sehr dazu beigetragen, der informativen Reise eine heitere Note zu verleihen. Beim Einchecken im Hotel sollte er das Anmeldeformular ausfüllen und verwirrte eine Dame am Empfang vollends, als er ihr erklärte, dass er nicht schreiben könne. Auch auf der Fahrt zur VG Bild- Kunst sorgte er dafür, dass der Taxifahrer ihn kritisch musterte. Wir fuhren an einem Schwimmbad vorbei, das offensichtlich als Schwimmbad zu erkennen war, und Franz Novotny fragte den Fahrer in gebrochenem Akzent: „Opera?“ Der Taxifahrer entgegnet: „Nein, das ist ein Schwimmbad!“ Woraufhin Franz Novotny sagte: „Ah, Opera, Opera!“ An seine launigen Kommentare während der Besprechung bei der Bild-Kunst kann ich mich nicht im Detail erinnern, außer dass er dafür sorgte, dass die Besprechung nicht ganz so trocken verlief wie erwartet. Bis 2012 musste die VdFS einige Hürden nehmen, um sich neben den anderen Verwertungsgesellschaften zu behaupten. Walter Dillenz:: Ja, unsere erste Aufgabe bestand darin, Geld von ausländischen Verwertungsgesellschaften zu bekommen, um diese Tantiemen unter den österreichischen Filmschaffenden zu verteilen und um damit die VDFS überhaupt aufzubauen. Bis 1996 fokussierte sich unsere Arbeit vornehmlich auf das Inkasso und Verteilen von Tantiemen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit meiner Frau am Küchentisch gesessen bin und ausländische Programmzeitschriften durchforstet habe, um Produktionen zu finden, an denen Österreicher beteiligt waren. Das war eine MEDIA BIZ

zurück zum Inhalt menschen gespräch Foto: Gabrielle Schultz richtige Sisyphos-Arbeit. Heute passiert die Auswertung ja in weiten Teilen elektronisch. Die Wende kam dann 1996 mit der Urheberrechtsgesetznovelle, die erstmals eine Beteiligung der Filmurheberinnen und Filmurheber an den Erlösen vorsah. Zudem mussten wir auch die Rechte der Filmschauspielerinnen und Filmschauspieler durchsetzen. Eva Ulmer-Janes: Auch das war eine ziemlich abenteuerliche Geschichte, weil die Leistungsschutzerlöse der Filmschauspieler im Topf einer Gesellschaft geparkt waren, die zwar bei den Einnahmen die mechanischen Rechte von Musikern und Schauspielern wahrgenommen hat, allerdings nur für musikalische Darbietungen Tantiemen ausbezahlt hat. Die Situation war wirklich kurios: Singende Schauspieler wurden berücksichtigt, sprechende aber nicht. Wir waren bereit, die Schauspieler als Bezugsberechtigte zu vertreten und wollten dafür auch einen Anteil am Geldtopf. Da haben wir aber auf Granit gebissen. Um den Schauspielern überhaupt zu einer Abgeltung ihrer Rechte zu verhelfen, mussten wir sie schlussendlich ohne die ihnen zustehenden Gelder übernehmen. Die Solidarität der Filmurheber war beeindruckend, sie haben 20 Prozent ihrer Tantiemen für Schauspieler und Schauspielerinnen zur Verfügung gestellt. Die VDFS hat aber erstmals ab 1997 Erlöse auch aus dem Inland lukriert? Walter Dillenz: Ja, auch hierfür waren langwierige Verhandlungen notwendig, da die anderen Verwertungsgesellschaften ja Anteile von ihren Einnahmen abtreten mussten. Zu Beginn schlossen wir eine vertragliche Vereinbarung mit der VAM, die Anteile aus den Erlösen aus Kabelentgelt und Privatkopievergütung an uns zahlen sollte. Allerdings kündigte die VAM nach ein paar Jahren diesen Vertrag. Die Aufteilung der Erlöse musste dann durch den Urheberrechtssenat festgelegt werden. Eine Einigung mit der VGR über die Aufteilung der Erlöse war 2006 nur in einem gerichtlichen Vergleich zu erzielen. In den 25 Jahren unseres Bestehens mussten wir immer wieder über Prozesse die Rechte unserer Mitglieder durchsetzen. Eva Ulmer-Janes: Einfacher war es mit den Erlösen aus dem Ausland: Dank der Gegenseitigkeitsverträge mit vielen Schwestergesellschaften konnten wir schöne Summen für unsere Bezugsberechtigten lukrieren, an die sie in den meisten Fällen als Einzelpersonen kaum herangekommen wären. Walter Dillenz: Zum Schluss möchte ich noch gerne sagen, dass es für mich als Urheberrechtler wunderbar war, so ein neues und spannendes Betätigungsfeld gefunden zu haben. Und die Zusammenarbeit mit den Filmschaffenden und vor allem für sie hat mir viel Freude gemacht. www.vdfs.at Univ. Prof. Dr. Walter Dillenz mit Prof. Dipl.-Ing. Eva Ulmer-Janes MEDIA BIZ

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